Kaffeekapsel-Streit Minges-Kapsel nun zweifach zertifiziert

von Janine Hofmann

 

lebensmittelzeitung.net vom 4. August 2020

 

Der Streit um kompostierbare Kaffeekapseln zwischen Minges und Unicaps ist offenbar vorerst beendet. Das OLG Düsseldorf hatte Unicaps zwar in einem von drei beklagten Punkten Recht gegeben – mittlerweile hat Minges dazu aber ein zweites Zertifikat eingeholt. Zudem verwerfen die Richter die Forderungen von Unicaps und sehen das Zertifikat der Heimkompostierbarkeit der Minges-Kapseln als nicht irreführend an. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) hat in einem Eilverfahren die Werbung des Kaffeekapselherstellers Minges mit dem ‚OK Compost Home‘-Zertifikat des TÜV Austria als nicht irreführend beurteilt. In diesem Punkt unterlag das Kaffee- und Tee-Startup Unicaps der Minges Kaffeerösterei im Streit um die Bezeichnung der „kompostierbaren Kaffeekapseln“. Auch den Vorwurf von Unicaps, die auf Basis von Sonnenblumenkernschalen bestehenden Kapseln von Minges seien nicht sauerstoffdicht, was einen negativen Einfluss auf die Mindesthaltbarkeit habe, wiesen die Richter des Oberlandesgerichts in ihrem Urteil, das der LZ vorliegt, zurück. Minges füllt unter anderem im Auftrag der Marke Käfer ab. Was zunächst als Schlappe der Minges Kaffeerösterei gegen Unicaps erschien, sei mittlerweile obsolet, ließ Minges verlauten. Für Minges sei das Urteil ein Freispruch erster Klasse, teilte das Unternehmen mit. In dem vom Gericht gegen Minges entschiedenen Punkt, die Kapsel von Minges dürfe nicht in der Biotonne entsorgt werden, weil sie nicht zertifiziert industrie-, sondern nur heimkompostierbar sei, gab das Gericht Unicaps allerdings Recht. Werbe Minges auf seinen Verpackungen mit Heimkompostierbarkeit in Verbindung mit dem Zertifikat ‚OK Compost Home‘ gehe der Verbraucher davon aus, die Kapseln nicht nur auf dem heimischen Kompost, sondern auch in der Biotonne entsorgen zu können. Zumindest bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung habe eine entsprechende Zertifizierung der Industriekompostierbarkeit nach DIN EN 13432 jedoch nicht vorgelegen, heißt es in dem Urteil. Dazu hatte Unicaps anschließend mitgeteilt, einen „großen Sieg vor Gericht über Minges“ sowie ein „wichtiges Urteil gegen Minges“ erwirkt zu haben. In der Zwischenzeit hat Minges mit dem Unternehmen Golden Compound, das für Minges die Kapseln aus Sonnenblumenschalen herstellt, das Zertifikat für Industriekompostierbarkeit (‚Ok Compost Industrial‘) des TÜV Austria nach eigenen Angaben aber erhalten. Das Urteil betreffe eine frühere und überarbeitete Verpackungsausstattung, teilte Minges mit. „Damit dürfte nun jedermann klar sein, dass unsere Kapsel sowohl die Voraussetzung für den Heimkompost, als auch für die Biotonne erfüllt“, sagt Stephan Albers, Geschäftsführer von Golden Compound. Die Schachteln der Kaffeekapseln hat Minges mittlerweile neu bedrucken lassen. Neben dem Zertifikat des TÜV Austria ‚OK Compost Home‘ ist nun das Zertifikat „OK Compost Industrial“ abgebildet. Damit sei die Minges-Kapsel nun die einzige auf dem Markt, die beide Zertifizierungen habe, erklärt der Konzern. „Auf diese Weise leisten wir einen ehrlichen Beitrag zur Entrümpelung des Bio-Zertifikate-Dschungels“, sagt Stephan Albers. „Dies unterstreicht nochmals die Einzigartigkeit unserer Kapsel“ fügt der Minges-Geschäftsführer Ulli Minges hinzu. Der Streit im hart umkämpften Markt für kompostierbare Kaffeekapseln hat bereits im Frühjahr zu einem Urteil gegen Unicaps geführt. Damals qualifizierte das OLG München die Angaben zur Heimkompostierbarkeit des Startups als irreführend. Es hatte damals geworben mit „Die Bio-Kapsel ist als ‚OK Compost‘ gemäß TÜV Austria zertifiziert“, ohne über die ausschließlich industrielle Kompostierbarkeit nach ‚OK Compost-Industrial‘ zu informieren. So habe sich Unicaps mit Aussagen wie „plastikfrei“ einen unlauteren Wettbewerbsvorteil verschafft. Die Industrienorm EN 13432, die dem Zertifikat der Industriekompostierbarkeit sowie den Streitigkeiten zu Grunde liegt, gilt unter Kritikern zudem als „veraltet und an der Realität vorbei“. Laut der Norm dürfen Unternehmen biologisch abbaubaren Kunststoff als industriell „kompostierbar“ bezeichnen – und hierfür eine entsprechende Zertifizierung erhalten –, wenn der Kunststoff innerhalb von 90 Tagen zu 90 Prozent abgebaut wird. Aber: Regelmäßig bleiben nach diesen drei Monaten doch mehr als 10 Prozent des Produkts übrig.